Stand: 07/01/2017

Gesamtkartenbestand: 391

Historische Ansichtskarten von Dahme / Mark

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Themenschwerpunkt: Historische Postkarten als Spiegel gesellschaftlicher Prozesse

Ansichtskarten sind Zeitzeugen gesellschaftsgeschichtlicher und politischer Strukturen, Abbilder von Kunst und Kultur. Spätestens seit der sprachkritischen Wende hat das alte Sprichwort: "Bilder sagen mehr wie tausend Worte" in der historischen Sozialforschung an Bedeutung gewonnen. Kulturgeschichtlich gesehen handelt es sich bei den AK´s um unbestechliche Momentaufnahmen. Historische Texte beinhalten immer die linguistische Denkweise des jeweiligen Verfassers, der über das zeitgenössische Geschehen "erzählt". Wohingegen das Bild oder Symbol hier eine unvermittelte Aussagekraft darstellt. Hinzu kommt oftmals die realistische Alltagsdarstellung von Familien und Vereinsveranstaltungen. Selten, aber bei Sammlern um so beliebter sind deshalb Ansichtskarten, die von privater Seite in Auftrag gegeben wurden.

Der große Auftritt der Saalmannschaft im Gesellschaftshaus: Neue Sparte!
Nr. 385
Gesellige Veranstaltungen und öffentliche Vorführungen Dahmer Sport- und Kulturvereine bis hin zu Theaterspielen fanden hier statt. In unserer Sammlung sind bisher AK`s vom  Gesellschaftshaus "Frese" unter den Besitzern: "Otto Behrend" und "Bruno Scholz" vorhanden, welches auch dem Turnverein „Jahn“ (1892) als Vereinsheim diente. Das Haus wurde am 28.10.1877 von Franz Alex eröffnet (Quelle). Heute ist der schöne Begriff "Gesellschaftshaus" nicht mehr so geläufig. Die Bezeichnung "Vereinsheim" würde jedenfalls zu kurz greifen, weil die zeitgenössische und unversellere Bedeutung dieser Häuser im gesellschaftlichen Leben und in der vielfältigen kommunalen Kulturausübung nicht richtig wiedergegeben würden. Daneben fanden natürlich auch Feiern in Gaststätten statt:  "Restaurant und Etablissement Kaisergarten", "Gesellschaftszimmer im Ratskeller". "Schützenhaus" sowie "Waldrestaurant, Ziegelei".

Die Welt der Dahmer Ansichtskarten. Ein Aufsatz über die historische Entwicklung: Seite 1 und Seite 2

Dauerthema: Druckvorstufe - Drucktechnik - Vertrieb

Ziel ist es Kategorien zu finden nach denen die Ansichtskartenkultur 

von Dahme besser verstanden und geordnet werden kann.


Ausschnitt links: Jahr 1902, Kombinationsdruck, Autochromdruck, hohe Qualität, Metz/Garte, gerasterte schwarz weisse Glagravur als Grundlage mit litographischer Colorierung, speckige Farben. Gedruckt auf grainiertem, Chromokarton. Diese Karte konnte relativ eindeutig bestimmt werden!


Eine Litographie vom Kreisturnfest aus dem Jahre 1897: 
Nr. 376

Unsere zweite Ansichtskarte zum Thema "Kreisturnfest" ist eine echte Bereicherung für die Sammlung. Bei dieser einfarbigen Litographie wurde eine Skizze oder Federzeichnung auf einen Konturstein übertragen. Dabei zeichnete der Litograph das Bild entweder direkt auf einen Stein oder die Konturen des Motives wurden auf eine Gelatinefolie "nachgezogen" und mittels Umdruckfarbe auf den Stein gedruckt. Feine Linien, Verzierungen usw. konnten mit einem Diamantmesser eingraviert werden. Bei den beliebten detailreicheren Chromolitographien war dagegen auch ein Papierfoto mit im Spiel dessen Motiv in eine Strichzeichnung überführt wurde. Diese reproduzierte Strich/Tuschezeichnung wurde zur Herstellung eines Strichnegatives abfotografiert und auf einen Litographiestein belichtet. (Nr. 225, Gruss vom Kreisturnfest, 1897). Siehe auch Quellenangaben

Eine Heliochromdruckkarte aus dem Jahre 1908:  

Nr. 334

Hier handelt es sich um eine sehr akkurat hergestellte Einbild-Ansichtskarte, die nach dem Verfahren des Heliochromdrucks, einer Kombination aus Licht- und Steindruck, hergestellt wurde. Farbig koloriert durch Chromolitographie und mit mehreren Maschienensteinen passgenau auf einer Steindruck-Schnellpresse hergestellt. Als Grundlage dürfte eine im Lichtdruck ausgeführte schwarz-weiss Fotographie gedient haben, wie man am Runzelkorn unschwer erkennen kann. Die Ziermotive und die Schrift in der Farbe Rötel, sind ebenfalls charakteristisch für die um ca. 1900 angewendete Ausführung dieser Art von Karten. Die Blumenmotive sind auch häufig auf älteren Farblitographien zu finden. Das Papier ist nicht gekörnt und die Farben sind sehr intensiv, teilweise mit "speckigem" Glanz. 


 

Dahme / Schloss

Dahme / Schlossstrasse

Dahme / Schlossteich neu

Dahme / Schuetzenhaus

Dahme / Sonstiges

Dahme / Staedt. Vereinshaus

Dahme / Studentika

Dahme / Suedhag

Dahme / Toepfermarkt

Dahme / Traenke

DahmE / Viktoriastift

Dahme / Vogelturm

Dahme / Wappenkarten

Dahme / Wilhelm Strasse

Dahme / Ziegelei Waldgaststaette

Bollensdorf / Bollensdorf

Buckow / Buckow

Damsdorf / Gasthaus Heeresstrasse

Drahnsdorf / Heidemuehle Wildau

Glienig / Schloss

Hohenbucko / Gasthof

Hohenseefeld / Hohenseefeld

Ilmersdorf / Ilmersdorf

Kemlitz bei Baruth / Gasthof Herzog

Knippelsdorf / Knippelsdorf

Lebusa / Lebusa

Pitschen / Pitschen bei Uckro

Rietdorf / Rietdorf

Dahme / Zagelsdorf


Schuhkarton und Philokartie
 

Jede alte Ansichtskarte hat ihren besonderen Reiz und steht mal nicht das sofort sichtbare Motiv ganz vorne auf der Bedeutungsskala, so können die Herstellungsart, die Briefmarke, der Stempel oder der Text und sonstige "Kleinigkeiten" interessant sein und auch aussagekräftige Zeugen einer vergangenen Zeit darstellen. Damit erweitert sich das Gesamtbild des Ansichtskartensammelns von dem Einstecken schöner Bilderkärtchen  in den "Schuhkarton" zur Philokartie, zu einer detektivischen Erforschung von vielseitigen Informationen die eine Ansichtskarte zweifellos für den bereithält, der sie zu entschlüsseln versteht.


Nummer 262. Dahme 1914, "Treu deutsch bis ins Mark". Dürfte wohl eine propagandistische Einstimmung des Volkes auf den 1. Weltkrieg zu "wilhelmistischen Zeiten" gewesen sein. Dabei wurden romantische und nationalistische Ideale und Gefühle aus den Befreiungskriegen versinnbildlicht. Sicherlich sollte man alle historischen Ereignisse zunächst aus sich selbst heraus betrachten.

Nummer 275

Unter der Rubrik:  "Ereignisse" ist wiederum ein "Stern" am Kartenhimmel" aufgegangen: Eine  Ansichtskarte im Jugendstil vom 11. Gesangfest, 1903 der 1888 gegründeten Sängervereinigung Liuba in Dahme. Gründer war der Bundeschormeister und Kgl. Musikdirektor Groskopf aus Lübben, Damals waren z.B. Sänger aus Gesangvereinen folgender Orte beteiligt: Lübbenau, Luckau, Dahme, Zossen, Baruth, Wendisch Buchholz, Gießmannsdorf und Schönwalde. Die Liuba war auch Mitglied im deutschen Sängerbund. Die schöne Namensgebung ist wohl auf die sorbische Göttin der Liebe zurückzuführen zu deren Ehren ein "Liuba-Stein" im Lübbener Hain aufgestellt wurde. 

Die Karte wurde mit der Drucktechnik der Autotypie oder Netzätzung hergestellt, die darauf beruht, dass Fotografien und Bilder nicht zeitraubend mit herkömmlichen Drucktechniken wie des Steindrucks auf das Papier gebracht wurden, sondern auf einer asphaltbeschichteten Druckplatte belichtet, chemisch geätzt und mit der Möglichkeit der Halbtondarstellung durch Raster billig und schnell erzeugt werden konnten.

 

Nummer 279.Diese Karte, ein Motiv aus der Jüterboger Straße, ist mit dem "Edeldruckverfahren" des Lichtdruckss der Phototypie hergestellt.

Im Vergleich zu der Grusskarte 59  oder Nummer 275 also ohne Rasternetz.

Dieses manuell ausgeführte, fotochemische Verfahren zur Herstellung des Druckstockes wurde eher für geringere Auflagen eingesetzt und eignet sich nicht für den Fotodruck in Zeitungen wie etwa die Autotypie. Beim Chromgelatineverfahren des Lichtdrucks wird eine lichtempfindliche Schicht aus Gelatine und Chromaten auf eine Glasplatte aufgebracht. Diese wird durch UV-Licht mit einem Negativbild belichtet. Es bildet sich ein Gelatinerelief, dass nach dem Abspülen der verschieden-löslichen Chromate mit Wasser die Druckplatte ergibt. Der Belichtungsintensität ist hier also direkt proportional zum Aushärtungsgard. Vor dem Druck wird die Gelatineplatte mit einem Glyzerin-Wasser-Gemisch angefeuchtet dabei wird die Halbtondarstellung (Graustufen) nach folgendem Zusammenhang ermöglicht:

Viel Licht    ---> Geringe Härtung = starke Quellung, wenig Druckfarbe. Wenig Licht---> Starke Härtung = Schwache Quellung, viel Druckfarbe. In Frankreich wurde dieses Flachdruckverfahren erfunden und vom Deutschen J.Albert Ende des 19.Jh. weiter entwickelt

 

Unser neuester Zugang aus dem Jahre 1900 fällt unter die Rubrik der Fotoansichtskarten und ist ein echtes "Schätzchen": Nummer 317 und zum Vergleich, siehe auch Nummer 120B

Fotoansichtskarten, siehe links, sind meistens Fotos des eigenen Hauses oder Grundstückes die dann von einem Fotoatelier auf Postkartenformat entwickelt. Hergestellt wurden diese alten Foto-AK überwiegend im Bromsilberdruck, wobei hier eigentlich nichts gedruckt wird, sondern silberbromidhaltiges, Gelatine beschichtetes Papier auf  Meterrollen, belichtet wird. Das Adressfeld wird später auf die Rückseite gedruckt, um die Karte als Postkarte verschicken zu können. Unter Lichteinwirkung wird das Bild im Laufe der Jahrzehnte grau oder gelbbraun, welches auch durch das Brom verursacht wird. Das private Umfeld des Fotografen, wie zum Beispiel die Familie beim Feiern, das eigene Haus, das eigene kleine Geschäft, die Wohnstraße, das Mietshaus, das neu erworbene Auto oder Motorrad, der Offizier mit seiner Truppe, der Student mit seinem Corps, Unfälle, Katastrophen oder verschiedenste gesellschaftliche Ereignisse sind gängige Motive. Diese Karten erschienen nur in geringen Auflagen und sind nahezu einmalig, weil sie unter bestimmten Vorraussetzungen einen einmaligen geschichtlichen Rückblick in die Zeit, zu bestimmten Objekten oder Ereignissen erlauben. Dadurch können Foto-AK’s auf Grund ihrer Einzigartigkeit sehr wertvoll sein.                    

 

Kombinationsverfahren: Heliochromdruck

Ein gutes Beispiel für diese Drucktechnik ist unser Neuzugang aus dem Jahre 1904 mit der Nummer 322. Eine Karte mit dem Motiv der Hauptstraße ist nun wirklich oft genug in der Sammlung präsentiert, denken vielleicht einige. Doch die Art der Herstellung und ihre Besonderheiten sind oft sehr unterschiedlich, obwohl vielleicht das selbe Photo "Pate" gestanden hat. Bei dieser Karte treffen mehrere typische Merkmale aufeinander:

1.) Drucktechnik: Heliochromdruck, d.h. der Schwarzdruck ist eine Phototypie (Lichtdruck) und die Kolorierung wird durch den Steindruck, d.h. mit verschieden Litographiesteinen erzeugt. Hier wurde sehr gute Arbeit von der Druckerei abgeliefert, weil die farbigen Stellen ohne großen Versatz passgenau in die Bildstellen eingedruckt wurden. Diese Technik wurde seltener eingesetzt, weil sie nur für kleinere Stückzahlen wirtschaftlich war.

2.) Der Farbverlauf im Hintergrund war damals auch sehr in Mode und wird im Fachjargon "Irisdruck" genannt. Streng genommen handelt es sich hier aber nicht um einen echten Irisdruck, wie beim Autochromverfahren (nächstes Thema!) oft üblich war, weil die Farben nicht regelrecht ineinander verlaufen. Die zusätzliche Steindruckplatte , die zwei oder mehr Farben trug, hier orange und rot, "punktet" das "Abendrot" gröber ein.

3.) Einzelansicht - Ansichtskarte: Ein zentrales größeres Bild im Lichtdruck wurde auf der Vorderseite verwendet. Dieses lief zu den abgerundeten Rändern hin aus. Der restliche Platz war für Mitteilungen auf der Vorderseite, die bis 1905 auch nur dort in Erscheinung treten durften. Danach durfte auch die linke Seite der Vorderseite einer Postkarten beschrieben werden.

4.) Typisch war auch die Farbe der Beschriftung mit "Rötel", einer mineralischen roten Farbe.

 

Ansichtskartengewerbe in Dahme:

A
ufgrund der enormen Nachfrage  und der großen Sammelleidenschaft am Ende des 19. Jahrhunderts können wir mittlerweile davon ausgehen und auch belegen, dass sich in der zugrunde liegenden Photographietechnik, der Reproduktion (Druckvorstufe) und in Bezug auf  das litographische Ansichtskartendesigns, des Druckes und des Vertriebes eine arbeitsteilige Form im Ansichtskartengewerbe des deutschen Reiches entwickelte und viele Dahmer Verleger, Geschäfte und auch Drucker ein Teil dieser industriellen Infrastruktur war . Anhand von Dahmer Karten kann nachgewiesen werden, dass zwar der Verleger (wie z.B. Höhnemann) in Dahme ansässig war, aber das Design im vorliegenden Falle einer "
Gruss aus Karte, 1899" von der Kunstverlagsanstalt Metz in Tübingen geschaffen wurde. Der Druck dieser Karte als Chromolitographie auf Naturkarton wurde aber schließlich bei der "Kunstanstalt Garte" in Leipzig durchgeführt, die zu dieser Zeit wegbereitend war für hochwertige Litographien und mit Metz geschäftlich in engem Verhältnis stand. Metz war ein "ganz großes Fisch" im "Ansichtskartenmeer" der damaligen Zeit und produzierte und verlegte Karten bis in Übersee. Schwierig für die Drucker zwischen 1890 und 1920 war immer der Spagat einerseits preisgünstig dem Verleger die Karten zu liefern, hohen Durchsatz zu gewährleisten, den Markt zu befriedigen und immer die modernsten und besten Druckverfahren einzusetzen. 

quellenangaben

archiv

photographen- und verlagsliste

impressum

 

Wer sammelt noch Ansichtskarten von Dahme? Wir sind an einem Erfahrungsaustausch sehr interessiert. 

Carsten Fischer & Candy Fischer (geb. Lehmann) 

information@ansichtskarten-dahme-mark.de